RISE with SAP®: Warum das SAP-Archiv beim Umstieg eine eigene Entscheidung braucht
- 8. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juli
Das SAP-Archiv und die ArchiveLink-Anbindung gehören nicht zum Standard-Scope von RISE with SAP®. Die Verantwortung für Archiv, Schnittstellen und Speicherstrategie verbleibt vollständig beim Unternehmen. Wer das erst kurz vor dem Cutover bemerkt, riskiert Mehrkosten und Projektverzug. Dieser Beitrag zeigt, welche Entscheidungen anstehen und warum ArchiveLink, CMIS und Datenvolumen dabei die zentralen Weichen sind.
Was übernimmt RISE with SAP, und was nicht?
Mit RISE with SAP lagert SAP den technischen Betrieb des Kernsystems weitgehend in die Cloud aus. Infrastruktur, Basisbetrieb und Wartung werden zentral bereitgestellt. Was häufig übersehen wird: Das SAP-Archiv und die damit verbundene ArchiveLink-Schnittstelle gehören nicht zum Standard-Scope. In Projekten zeigt sich immer wieder ein typisches Muster. Unternehmen gehen implizit davon aus, dass das Archiv als integraler Bestandteil des SAP-Systems automatisch mit abgedeckt ist. Erst im späteren Projektverlauf – häufig nahe am Cutover – wird deutlich, dass diese Annahme nicht zutrifft. Die Konsequenz: Die Verantwortung für Archiv, Schnittstellen und Speicherstrategie verbleibt vollständig beim Unternehmen. Damit entsteht eine Lücke, die aktiv geschlossen werden muss – nicht operativ, sondern strukturell.

Warum das SAP-Archiv im RISE-Umstieg zur Governance-Frage wird
Das SAP-Archiv wird im Projektkontext oft als technisches Detail behandelt. Tatsächlich berührt es zentrale Fragestellungen auf Governance-Ebene. Archivierung bestimmt:
wie Daten langfristig gespeichert und verwaltet werden
wie Compliance-Anforderungen, etwa über SAP ILM, umgesetzt werden
wie stark das produktive System von Datenvolumen entlastet wird
Damit betrifft die Entscheidung nicht nur die SAP-Basis, sondern auch CIO, CTO und IT-Strategie.
Die Verantwortung für Archiv, Schnittstellen und Speicherstrategie bleibt auch im RISE-Kontext klar beim Unternehmen. Während der SAP-Core als Service bezogen wird, ist das Archiv weiterhin eigenständig zu steuern. Gerade diese Trennung macht eine bewusste Entscheidung notwendig.
Technische Realität: ArchiveLink und Systemgrenzen im RISE-Modell
ArchiveLink ist die SAP-Standardschnittstelle, über die Dokumente und Archivdaten aus dem SAP-System an ein externes Archivsystem angebunden werden. Die Ablage erfolgt über sogenannte Content Repositories.
Technisch bleibt die Grundarchitektur zunächst vertraut. ArchiveLink ist weiterhin die zentrale Schnittstelle zwischen SAP-System und Archivlösung. Dokumente werden über ein Content Repository angebunden und in einem externen Archivsystem gespeichert. Im RISE-Modell entsteht jedoch eine zusätzliche Komplexität: Das Archiv liegt außerhalb des SAP-Tenants. Der Zugriff erfolgt über definierte Schnittstellen und Systemgrenzen hinweg.
Diese Architektur erfordert:
saubere Schnittstellenplanung
klare Betriebsverantwortung
stabile Integration über Tenant-Grenzen hinweg
SAP-eigene Komponenten wie der SAP Content Server können weiterhin eingesetzt werden, sind im RISE-Kontext jedoch nur eine von mehreren Optionen und mit spezifischen Rahmenbedingungen verbunden. Damit wird deutlich: Die Archivarchitektur ist nichts, was „nebenbei“ mitläuft, sondern ein bewusst zu gestaltender Bestandteil des Zielbilds.
Der zweite Irrtum: Warum SAP-nahe Lösungen oft vorschnell gewählt werden
Ein weiteres wiederkehrendes Muster ist das Entscheidungsverhalten bei der Archivierung.
Viele Unternehmen greifen zunächst auf SAP-nahe Lösungen zurück – etwa weil:
diese vertraut erscheinen
sie vermeintlich einfacher integrierbar sind
sie als „Standard“ wahrgenommen werden
Hinzu kommt eine verbreitete Annahme: Die von SAP angebotene Lösung sei die einzige realistische Option für die Archivierung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass dies nicht zutrifft. Es existieren etablierte, spezialisierte Archivlösungen sowie offene Standards, die unabhängig vom SAP-Kosmos eingesetzt werden können. Ohne eine bewusste Öffnung des Entscheidungsraums bleibt diese Vielfalt oft ungenutzt – mit Folgen für Flexibilität, Integrationsfähigkeit und langfristige Kostenstruktur.
ArchiveLink oder CMIS: Welche Schnittstelle ist die richtige?
CMIS (Content Management Interoperability Services) ist ein offener, herstellerunabhängiger Standard für den Zugriff auf Content-Management-Systeme. Er ist systemübergreifend nutzbar, cloudfähig und vermeidet die Bindung an einzelne Hersteller.
Im Zentrum der Archivstrategie steht die Frage der Schnittstelle. Sie bestimmt, wie offen und zukunftsfähig die gesamte Lösung gestaltet ist. Gleichzeitig gewinnt ein zweiter Faktor an Gewicht: das Datenvolumen. Im RISE-Modell ist die Größe der Datenbank ein direkter Kostentreiber. Archivierung wird damit zu einem entscheidenden Hebel, um Kosten langfristig zu steuern.
ArchiveLink bleibt:
bewährt
tief in SAP integriert
insbesondere in bestehenden Landschaften weiterhin relevant
Parallel gewinnt CMIS als offener Standard an Bedeutung:
systemübergreifend nutzbar
cloudfähig
vermeidet enge Bindung an einzelne Hersteller
Damit gewinnt die Archivstrategie deutlich an Flexibilität und Zukunftssicherheit. In Projekten zeigt sich zunehmend ein pragmatischer Ansatz: Bestehende ArchiveLink-Strukturen bleiben erhalten, während neue Daten so abgelegt werden, dass sie perspektivisch über CMIS genutzt werden können.
Diese Vorgehensweise verbindet Stabilität mit Zukunftsfähigkeit – ohne einen radikalen Bruch. Hinzu kommt die Perspektive von SAP ILM: Gerade im Hinblick auf Compliance und Datenschutz wird die Fähigkeit zur revisionssicheren Verwaltung und Löschung von Daten weiter an Bedeutung gewinnen.
Wie ein SAP Archive Managed Service diese Lücke schließt
Die Herausforderung im RISE-Umstieg liegt nicht in einer einzelnen Entscheidung, sondern in der Kombination mehrerer Aufgaben:
technische Neuaufstellung der Archivarchitektur
Bewertung von Schnittstellen
Integration in das Cloud-Zielbild
Sicherstellung von Betrieb und Governance
Ein SAP Archive Managed Service setzt genau hier an, indem er diese Aufgaben bündelt und kontinuierlich betreibt. In der Praxis bewährt sich dabei insbesondere ein Ansatz, der:
technologieoffen bewertet
bestehende Systeme integriert
zukünftige Schnittstellenanforderungen vorbereitet
Häufig gestellte Fragen
Ist das SAP-Archiv Bestandteil von RISE with SAP?
Nein. Das SAP-Archiv und die ArchiveLink-Anbindung gehören regelmäßig nicht zum Standard-Scope von RISE with SAP. SAP übernimmt Infrastruktur, Basisbetrieb und Wartung des Kernsystems. Die Verantwortung für Archiv, Schnittstellen und Speicherstrategie bleibt beim Unternehmen.
Was ist ArchiveLink?
ArchiveLink ist die SAP-Standardschnittstelle zwischen SAP-System und Archivlösung. Dokumente werden über ein Content Repository angebunden und in einem externen Archivsystem gespeichert. ArchiveLink ist bewährt, tief in SAP integriert und in bestehenden Landschaften weiterhin relevant.
Was ist CMIS, und wann lohnt sich der Umstieg?
CMIS (Content Management Interoperability Services) ist ein offener, herstellerunabhängiger Standard für den Zugriff auf Content-Systeme, systemübergreifend und cloudfähig. In der Praxis bewährt sich ein pragmatischer Ansatz: Bestehende ArchiveLink-Strukturen bleiben erhalten, neue Daten werden so abgelegt, dass sie perspektivisch über CMIS nutzbar sind.
Warum wird das Datenvolumen im RISE-Betrieb zum Kostentreiber?
Im RISE-Modell ist die Größe der Datenbank ein direkter Kostenfaktor, da nach allokierter Kapazität abgerechnet wird. Archivierung entlastet die produktive Datenbank und ist damit ein zentraler Hebel, um laufende Cloud-Kosten zu steuern.
Wie hilft ein SAP Archive Managed Service beim RISE-Umstieg?
Der Service bündelt die technische Neuaufstellung der Archivarchitektur, die Bewertung der Schnittstellen, die Integration ins Cloud-Zielbild und den laufenden Betrieb. Technologieoffen, mit definierten SLAs und planbaren monatlichen Kosten.
Fazit
RISE with SAP entlastet den Betrieb des SAP-Kerns – das Archiv bleibt jedoch eine eigenständige strategische Aufgabe. Wer Archiv, Schnittstellen und Speicherstrategie bewusst gestaltet, trifft eine Entscheidung mit langfristiger Wirkung für Kosten, Flexibilität und Investitionssicherheit.
Über entplexit
Die entplexit GmbH ist SAP Partner mit Schwerpunkt auf SAP-Archivierung, SAP Information Lifecycle Management (ILM) und SAP Archive Managed Services. Mit dem SAP Archive Managed Service übernehmen wir den vollständigen Archivbetrieb für mittelständische und große SAP-Anwender, On-Premise, in der Hyperscaler-Cloud und ergänzend zu RISE with SAP.
Kontakt: information@entplexit.com | +49 (0) 6196 97344 - 00 | www.entplexit.com
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